Es schrieb 1937 Franz Disch in seiner Chronik der Stadt Zell a,H. über die Bürgerwehr die folgenden Sätze: (Ausschnitt)

Die Zeller haben einen ganz besonderen Stolz auf ihre Bürgerwehr und das mit vollem Recht; denn sie gehört zu ihren altehrwürdigen Einrichtungen; sie ist aus dem Bürgermilitär der ehemaligen freien Reichsstadt hervorgegangen. Von alters her war jedem Bürger der Herrschaft Zell auferlegt "seine gepührende Wehr zu halten". Er musste seine Waffen aus eigenen Mitteln anschaffen und verwahrte sie in seinem Hause, um sie jederzeit zur Hand zu haben
.(
Ende Zitat)

Die Geschichte der Zeller Bürgerwehr geht zurück auf die Zeit, als Zell Reichsstadt war und somit das „Schützenkorps" als Selbstschutz diente. Es ist überliefert, dass die Stadt Ende des 15. Jahrhunderts Kontingentsoldaten gegen die Türkengefahr stellen musste. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Bürgerwehr im Jahre 1714. Bereits damals verfügte man über 67 Männer mit Ausrüstung und auch Pfeifer und Trommler gehörten dazu. Ein genaues Gründungsdatum aber scheint nicht bekannt, jedoch wurde in den Ratsprotokollen der Stadt ab dem Jahre 1597 immer wieder von „Bürgern in Wehr" geschrieben.Ulanen posieren für das Familienalbum

Mit dem Ende der Reichsstadtzeit war auch das Ende der „Pflichtschützengesellschaft" gekommen, die Bürgerwehr aber bestand als freiwilliger Männerbund weiter, ergänzt durch die „Bürgergarde Ulanencorps" Mit der Badischen Revolution kam 1849 auch das Ende für die Schützen und Ulanen, doch fanden sich bald danach wieder Männer zum Gewehrexerzieren zu Ehren des Großherzogs. Im Jahre 1862 gab dann die Großherzogliche Regierung die Erlaubnis, an Feiertagen die Waffen zu tragen. Die Gründung der zur Bürgerwehr gehörenden Trachtengruppe der Zellerinnen erfolgte danndie legendären Kommandanten Hermann Kopf (l) u. Nepomuk Buß 1953. Die Frauen tragen bei ihren Auftritten die frühere Originaltracht der Zeller Bürgerinnen. Die Mitglieder der Freiwilligen Bürgerwehr tragen die Uniform der österreichischen Kaiserschützen aus dem Jahre 1884 und weisen damit auf die einstige Zugehörigkeit zu Vorderösterreich hin. Die Schützen tragen einen grünen Uniformrock, schwarze Hosen und auf dem Kopf einen schwarzen Hut mit dem österreichischen Doppeladler aus blankem Messing und einem großen Hahnenfedernbusch. Bis zum 1. Weltkrieg war die Bürgerwehr Zell mit Vorderladergewehren bewaffnet. Heute trägt sie Karabiner Kal. 7,65 mit Seitengewehr Mod. 71.

Weiterführende Literatur über die Geschichte der Bürgerwehr finden Sie in dem Buch von Thomas Kopp: "Die Zeller Schützen", erschienen 1979 und zu beziehen  beim Eigenverlag  der freiwilligen Bürgerwehr.